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Das vernetzte Handy als persönlicher Assistent

Aus dem Mobiltelefon wird in wahnwitziger Geschwindigkeit etwas Neues, Großes, „das nächste Massenmedium“, so der finnische Berater und Ex-Nokia-Manager Tomi Ahonen gegenüber dem Handelsblatt. Geräte, die leistungsfähiger seien als das iPhone, werden in weniger als fünf Jahren als Kinderspielzeug eingesetzt. Damit die Vielfalt der Dienste nicht zu einem neuen Technostress für die Anwender mutiert, arbeiten die Hersteller an neuen Steuerungsmöglichkeiten.

Michael-Maria Bommer, General Manager DACH bei Nuance sieht hier große Chancen für Sprachfunktionen. „Per Sprachbefehl wählt man beispielsweise eine Rufnummer, ohne lange nach dem jeweiligen Programm suchen zu müssen, diktiert SMS-Nachrichten, recherchiert im Internet oder ruft eine Wegbeschreibung ab“, so Bommer.

Neben der Sprachsteuerung sieht er einen Bedarf, Serviceanfragen direkt auf dem Mobiltelefon lösen zu können. Etwa die Änderung der Kontodaten oder das Aufladen der Prepaid-Karte: „Anrufe im Call Center entfallen. Es öffnet sich stattdessen ein Datenkanal, mit dem der entsprechende Service direkt auf dem Handy bereitgestellt wird“, erläutert Bommer. Der Kunde müsse weder seine Zeit in Hotline-Warteschleifen vertrödeln noch Fragen an einen Sprachcomputer stellen. Er bekomme sofort die nötige „On Board-Hilfe“.

Das sind spannende Zeiten. Durch die Services rund um die mobilen Minicomputer entsteht nach meiner Meinung ein lukrativer Massenmarkt. Das beschreibt sehr schön Technology Review-Blogger Ben Schwan.

„Es gab eine Zeit, die nicht einmal sehr lange zurückliegt, da war ein Handy kaum mehr als ein Gerät zum mobilen Telefonieren. Einzige Zusatzanwendung neben der Sprachkommunikation war die Möglichkeit, Kurznachrichten zu verschicken und zu empfangen. Zu viel mehr waren die eingebauten Steuerprozessoren auch gar nicht fähig, das Monochrom-Display für die Multimedia-Anzeige sowieso undenkbar. Das hat sich radikal geändert. Heutzutage tragen wir hochleistungsfähige Smartphones in der Tasche, die die Rechenleistung früherer PCs deutlich übersteigen. Musik, Videos und 3D-Spiele – alles kein Problem. Zudem werden aus unseren Handys immer feinere Sensoren, die die Umgebung wahrnehmen. Mittels GPS-Chip ist etwa die Position ständig auf wenige Meter erfassbar und der Beschleunigungssensor weiß, wie sehr wir uns bewegen.“

Forscher am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken wollen solche und andere Features moderner Handys nutzen, um ganz neue Anwendungswelten zu schaffen, die im Beruf und der Freizeit hilfreich sein könnten. Das jüngste Projekt nenne sich „uRun“ – zu Deutsch: „Du läufst“. Die Idee: Aus dem Handy soll eine Art Personal Trainer werden.

Die DFKI-Forscher sehen in uRun nur eine von zahllosen neuen Anwendungsmöglichkeiten für vernetzte Handys, die bald in ein „Internet der Dienste“ eingebunden sein sollen. Über die so genannte „uServices“-Plattform sollen Programme zentral verwaltet und angeboten werden, ohne dass der Nutzer über ein großes technisches Know-how verfügt. Dienste werden je nach aktueller Situation ausgewählt. In Zukunft werde es persönliche Assistenten geben, die uns in allen Lebenslagen aktiv und tatkräftig unterstützen, auf unserem Mobiltelefon. Das sind doch sehr gute Entwicklungen!

Marktforschung mit Crawler-Technologie

Die Informationsmenge im Internet ist für Normalsterbliche kaum noch zu bewältigen. Das Start-up-Unternehmen 80legs aus dem texanischen Houston hat nun eine recht pfiffige Lösung entwickelt, um Schneisen in den Datendschungel zu schlagen: Die Firma vermietet Suchroboter, die nach persönlichen Vorgaben Teile des Web durchkämmen. Riesige Server-Farmen, wie sie bei Google und Co. stehen, sollen dafür nicht mehr nötig sein; stattdessen wird verteilte PC-Technik eingesetzt.

„Suchroboter, auch Spider oder Crawler genannt, sind Programme, die automatisch Seiten im Web aufsuchen und diese dann in einen Index aufnehmen. Das Problem: Die Größe, die das Web inzwischen angenommen hat, macht es zunehmend schwierig, alle Seiten in ihrer Gesamtheit abzusuchen – das kostet schlicht zu viel Rechenleistung. Genau deshalb muss etwa Google seine Infrastruktur ständig ausbauen“, schreibt die Technology Review-Bloggerin Erica Naone.

Mit dem 80legs-System kann man einen anderen Weg einschlagen. So müssen Firmen nur dafür zahlen, was der Crawler tatsächlich leistet. Bei 80legs erwartet man sich neben Nutzern, die sich für Suchverfahren und Web-Semantik interessieren, auch technische Laien. Marktforscher könnten 80legs beispielsweise einsetzen, um die Erwähnung bestimmter Firmen und Themen im Web zu untersuchen – und zwar viel schneller als bei Google.

Den gewünschten Crawl-Durchgang kann man über ein Web-Interface einleiten. „Dort lassen sich Parameter einstellen oder auch eigener Programmcode hochladen, der dann bestimmt, wie der Suchroboter vorgeht. Beispielsweise könnte jemand 80legs benutzen, um auf die Jagd nach urheberrechtlich geschützten Bildern zu gehen. Dann würde der Crawler alle gefundenen Aufnahmen gegen eine Datenbank mit Copyright-Informationen checken“, so Naone.

Nach Angaben von 80legs-Vorstandschef Shion Deysarkar könne die Technik der Firma bis zu zwei Milliarden Seiten am Tag bearbeiten. Dabei werden für jede Million gecrawlter Seiten 2 Dollar fällig, plus drei Cent pro Stunde für die abgerufene Rechenleistung. „Statt ein Rechenzentrum einzusetzen, wird eine Software verwendet, die auf einem verteilten Netzwerk aus einzelnen PCs läuft, ähnlich wie man es vom SETI@home-Projekt zur Jagd nach außerirdischen Signalen kennt“, schreibt Naone. Ein Dienst wie 80legs könnte auch für universitäre Forscher spannend sein. „Im großen Stil zu crawlen, ist eine teure Hürde, wenn es um experimentelle Suchprojekte im akademischen Bereich geht „, meint Kevin Chang, Dozent für Computerwissenschaften an der University of Illinois. Es fehle an der Infrastruktur. Er ist der Auffassung, dass der verteilte Ansatz von 80legs eine „interessante Richtung“ sei. Die Idee könne die Kosten für Crawling-Durchgänge verringern.


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